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Manchmal beginnt eine große Weingeschichte nicht mit einem berühmten Cru, sondern mit einem Ort. Bei Frescobaldi heißt dieser Ort Castiglioni. Auf den sanften Hügeln des Val di Pesa liegt der älteste Besitz der Familie – und damit jener Ausgangspunkt, von dem sich eine mehr als 700 Jahre währende Weintradition über die Toskana ausbreitete.
Die Tenuta gehört seit dem 11. Jahrhundert zur Familie Frescobaldi; Dokumente belegen Weinbau bereits um 1300. Villa Castiglioni ist bis heute eine Residenz der Familie. Doch das Gut wäre zu einfach erzählt, wenn man es nur als historischen Ursprung betrachtete. Gerade hier zeigt sich besonders gut, wie selbstverständlich Frescobaldi Tradition und eine offenere, moderne Vorstellung toskanischer Rotweine miteinander verbindet.
Val di Pesa – sanfte Hügel und tyrrhenische Brisen
Tenuta Castiglioni liegt in den sanften Hügeln des Val di Pesa. Frische, tonhaltige Böden treffen hier auf ein mildes Klima, während nachmittägliche Brisen vom Tyrrhenischen Meer die Temperaturen im Sommer wie im Winter ausgleichen, den Himmel klar halten und die Sonneneinstrahlung intensivieren.
Diese Bedingungen geben dem Gut eine vielseitige Grundlage. Sangiovese gehört selbstverständlich dazu, doch Castiglioni ist nicht auf eine einzige Rebsorte oder Stilrichtung festgelegt. Neben dem klassischen Chianti entstehen hier auch Toskana-Weine, die den Spielraum des Guts bewusst weiter ausloten.
Castiglioni Chianti zeigt die unmittelbarste Verbindung zur traditionellen Herkunft. Er steht für die fruchtbetonte, zugängliche Seite des Sangiovese und macht sichtbar, wo die Weinbaugeschichte des Guts ihren Ausgangspunkt hat. Doch gerade von diesem Fundament führt Castiglioni bewusst weiter.
Zwischen Chianti und Toskana – Tradition ohne Scheuklappen
Tenuta Frescobaldi Castiglioni beschreibt diesen zweiten Weg besonders gut. Hier werden unterschiedliche Rebsorten nicht gegeneinander ausgespielt, sondern als verschiedene Stimmen derselben Landschaft verstanden. Der Wein steht damit für eine modernere Interpretation der Tenuta, ohne den Bezug zum Val di Pesa aufzugeben.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Castiglioni versucht nicht, aus internationalen Rebsorten eine beliebige, austauschbare Stilistik zu formen. Vielmehr nutzt das Gut seine tonhaltigen Böden, das milde Klima und die kühlenden Luftströmungen, um unterschiedliche Rebsorten in eine klar toskanische Richtung zu führen.
Gerade diese Offenheit passt erstaunlich gut zu einem Besitz, dessen Geschichte so weit zurückreicht. Tradition bedeutet hier nicht, über Jahrhunderte dasselbe zu wiederholen. Sie schafft vielmehr die Erfahrung, unterschiedliche Rebsorten und Stilideen am gleichen Ort auszuprobieren und weiterzuentwickeln.
Giramonte – die konzentrierteste Seite von Castiglioni
Mit Giramonte erreicht diese Idee ihren konzentriertesten Ausdruck. Der Cru steht für die selektivste Seite des Guts und zeigt, wie weit sich Castiglioni stilistisch vom klassischen Chianti entfernen kann, ohne seine Verbindung zur eigenen Landschaft zu verlieren.
Giramonte ist deshalb weniger der Gegenpol zur Tradition als deren konsequente Erweiterung. Wo Castiglioni Chianti die historische Verbindung des Guts zum Sangiovese zeigt und Tenuta Frescobaldi Castiglioni unterschiedliche Rebsorten zusammenführt, richtet Giramonte den Blick auf eine besonders ambitionierte Interpretation des Terroirs.
So entsteht innerhalb der Tenuta eine klare, aber nicht starre Dramaturgie. Chianti, Toscana IGT und Giramonte stehen nicht einfach für drei Preisstufen. Sie zeigen drei Möglichkeiten, dieselbe Landschaft zu lesen: klassisch, offen und schließlich stark verdichtet.
Wo Frescobaldis Weinreise begann
Die Geschichte von Tenuta Castiglioni besitzt damit eine schöne Pointe. Ausgerechnet der älteste Besitz der Familie gehört zu jenen Gütern, die sich am wenigsten auf Vergangenheit reduzieren lassen. Der Ursprung ist wichtig – aber nicht, weil er Castiglioni zu einem Museum macht.
Vielmehr zeigt das Gut, wie sich mehr als sieben Jahrhunderte dokumentierter Weinbau fortschreiben lassen: mit Sangiovese und Chianti als Fundament, mit weiteren Rebsorten als selbstverständlicher Ergänzung und mit der Bereitschaft, aus unterschiedlichen Ideen eigenständige Weine entstehen zu lassen.
Tenuta Castiglioni ist deshalb nicht nur der Ort, an dem die Weinbaugeschichte der Frescobaldi begann. Es ist auch ein gutes Beispiel dafür, warum sie bis heute weitergeht. SUPERIORE.DE
Fakten
- Gründungsjahr: Weinbau seit ca. 1300 belegt
- Eigentümer: Familie Frescobaldi / Marchesi Frescobaldi
- Önologe: Enrico Nesi
- Jahresproduktion: noch offen
- Rebfläche: ca. 148 Hektar
- Konventioneller Anbau
- 24 Jahre Expertise
- 3.500+ Weine verfügbar
- 350+ Winzer
- Ab 120 € frei Haus (DE)
- 28.000 positive Kundenstimmen
- Vollklimatisierte Lagerung