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Wer Frescobaldi auf Tradition reduziert, übersieht wahrscheinlich das Interessanteste. Mehr als 700 Jahre Weinbau sind eine außergewöhnliche Geschichte – entscheidend ist aber, was die Familie daraus gemacht hat. Nicht ein großer Betrieb mit immer gleicher Handschrift, sondern eine Welt unterschiedlicher Güter, Landschaften und Rebsorten prägt Frescobaldi.
Die Wurzeln liegen in Florenz und reichen tief ins Mittelalter. Bereits um 1300 ist Weinbau auf Tenuta Castiglioni dokumentiert, dem historischen Ausgangspunkt der Frescobaldi-Weingeschichte. Das Familienunternehmen wird in der 30. Generation geführt. Dazwischen liegen Jahrhunderte, in denen sich nicht nur die Familie, sondern auch die Weinlandschaft der Toskana immer wieder verändert hat.
Bemerkenswert ist, wie früh Frescobaldi dabei Offenheit mit Herkunft verband. In Nipozzano wurden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts neue Rebsorten erprobt, in Pomino entwickelten Chardonnay und Pinot Nero eine ungewöhnlich lange toskanische Tradition. Gleichzeitig blieb Sangiovese in Chianti, Chianti Classico und Montalcino eine zentrale Konstante. Nicht eine Stilformel verbindet diese Weine, sondern die Idee, jedem Ort möglichst viel Eigenständigkeit zu lassen.
Fünf Güter, fünf Perspektiven auf die Toskana
Genau diese Haltung beschreibt Frescobaldi selbst als Kern seiner Philosophie: Die unterschiedlichen Terroirs der Toskana sollen nicht vereinheitlicht, sondern in den einzelnen Gütern und Weinen sichtbar werden. Bei SUPERIORE.DE konzentriert sich diese Welt auf fünf Güter, die kaum unterschiedlicher sein könnten.
Vom kühleren Chianti Rufina am Fuß des Apennins über die hoch gelegenen Weinberge von Pomino und Gaiole bis zu den berühmten Hängen von Montalcino führt jedes Gut in eine andere Ecke der Toskana. Die gemeinsame Handschrift liegt deshalb weniger in einem bestimmten Geschmack als in der Bereitschaft, Herkunft ernst zu nehmen.
Castello Nipozzano – Chianti Rufina mit dem Apennin im Rücken
Nordöstlich von Florenz liegt Castello Nipozzano am Fuß des Apennins. Sangiovese prägt die Weinberge, während frische Winde und deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht jene Frische und Eleganz begünstigen, für die Chianti Rufina geschätzt wird.
Nipozzano Riserva und Vecchie Viti zeigen die klassische Seite des Guts, Montesodi konzentriert den Blick auf Sangiovese und Herkunft, während Mormoreto eine zweite Perspektive eröffnet. Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot gehören hier seit Langem ebenfalls zum Rebsortenspektrum. So steht Nipozzano beispielhaft für eine der großen Frescobaldi-Ideen: Tradition und Offenheit müssen kein Widerspruch sein.
Castello Pomino – große Weine aus großer Höhe
Castello Pomino erzählt eine vollkommen andere Geschichte. Die Weinberge steigen an den bewaldeten Ausläufern des Apennins bis auf rund 700 Meter. Starke Tag-Nacht-Unterschiede und intensive Helligkeit schaffen Bedingungen, unter denen Chardonnay und Pinot Nero eine für die Toskana ungewöhnlich eigenständige Rolle spielen.
Pomino gehörte bereits 1716 zu den von Cosimo III. de' Medici besonders hervorgehobenen Weinbaugebieten der Toskana. Mitte des 19. Jahrhunderts brachte Leonia degli Albizi neue Impulse: Chardonnay, Pinot Nero und ein nach dem Schwerkraftprinzip arbeitender Keller machten Pomino früh zu einem Ort önologischer Neugier. Diese Geschichte reicht von Pomino Bianco und Benefizio bis zu den Metodo-Classico-Weinen der Linie Leonia.
Tenuta CastelGiocondo – der Geist von Montalcino
Mit Tenuta CastelGiocondo führt der Weg nach Montalcino. Das Gut gehört zu jenen historischen Betrieben, die bereits im 19. Jahrhundert an der frühen Entwicklung des Brunello di Montalcino beteiligt waren. Südwestexpositionen, Höhenlagen um 300 bis 400 Meter und eine große Vielfalt an Böden schaffen hier ideale Voraussetzungen für Sangiovese.
Campo ai Sassi, CastelGiocondo und Ripe al Convento zeigen unterschiedliche Tiefenschärfen dieser Herkunft. Lamaione erweitert das Bild bewusst über Brunello hinaus. Die Stärke CastelGiocondos liegt gerade in dieser Vielfalt: Unterschiedliche Parzellen und Böden werden nicht geglättet, sondern zu eigenständigen Ausdrucksformen eines großen Montalcino-Guts.
Tenuta Castiglioni – wo Frescobaldis Weinreise begann
Im Val di Pesa liegt Tenuta Castiglioni, der älteste Besitz der Familie und Ausgangspunkt ihrer Weinbaugeschichte. Das Gut gehört Frescobaldi seit dem 11. Jahrhundert; Dokumente belegen Weinproduktion bereits um 1300.
Frische, tonhaltige Böden, ein mildes Klima und Brisen vom Tyrrhenischen Meer prägen die sanften Hügel. Castiglioni Chianti steht für die klassische Verbindung zum Sangiovese, während Tenuta Frescobaldi Castiglioni und Giramonte den Spielraum der Tenuta weiter öffnen. Gerade der älteste Besitz der Familie zeigt damit, dass Tradition bei Frescobaldi keineswegs Stillstand bedeutet.
Tenuta Perano – Chianti Classico auf 500 Metern
Tenuta Perano liegt zwischen Radda und Gaiole im historischen Kern des Chianti Classico. Frescobaldi übernahm das Gut 2014, doch der Ort selbst reicht in der Geschichte der Appellation wesentlich weiter zurück: Bereits 1716 lag Perano innerhalb der von Cosimo III. de' Medici abgegrenzten Chianti-Zone.
Auf rund 500 Metern bilden die Weinberge ein natürliches, nach Südwesten geöffnetes Amphitheater. Steile Hänge, steinreiche Böden und die Höhenlage schaffen Bedingungen, unter denen Sangiovese langsam reifen und zugleich Frische bewahren kann. Tenuta Perano, die Riserva und Rialzi richten den Blick dabei zunehmend genauer auf diesen besonderen Ort.
Eine Familie – aber keine Einheitsweine
Nipozzano, Pomino, CastelGiocondo, Castiglioni und Perano könnten landschaftlich und stilistisch kaum unterschiedlicher sein. Genau darin liegt der Reiz von Frescobaldi. Die gemeinsame Klammer entsteht nicht durch eine Rezeptur im Keller, sondern durch die Überzeugung, dass jedes Gut seine eigene Herkunft ausdrücken soll.
So stehen Chianti Rufina und Brunello, hoch gelegener Chardonnay und Chianti Classico, Sangiovese und internationale Rebsorten selbstverständlich nebeneinander. Mehr als 700 Jahre Weinbaugeschichte schaffen dabei nicht nur Tradition, sondern vor allem Erfahrung – und die Freiheit zu wissen, dass große Weine nicht überall gleich schmecken müssen.
Wer Frescobaldi entdeckt, entdeckt deshalb weniger einen einzelnen Stil als unterschiedliche Landschaften der Toskana. Und genau dort beginnt die spannendste Reise: mit dem Gut, seiner Herkunft und schließlich dem Wein, der diesen Ort am überzeugendsten ins Glas bringt.
Häufige Fragen zu Frescobaldi
Ist Frescobaldi ein einzelnes Weingut?
Frescobaldi ist ein traditionsreiches Florentiner Familienunternehmen mit mehreren eigenständigen Weingütern in der Toskana. Die einzelnen Güter sollen keinen einheitlichen Stil reproduzieren, sondern die unterschiedlichen Böden, Höhenlagen, Rebsorten und klimatischen Bedingungen ihrer jeweiligen Herkunft zum Ausdruck bringen.
Seit wann produziert die Familie Frescobaldi Wein?
Die dokumentierte Weinbaugeschichte reicht rund 700 Jahre zurück. Auf Tenuta Castiglioni, dem historischen Ausgangspunkt der Frescobaldi-Weinproduktion, ist Weinbau bereits um 1300 belegt. Das Familienunternehmen wird in der 30. Generation geführt.
Welche Frescobaldi-Weingüter finden Sie bei SUPERIORE.DE?
Bei SUPERIORE.DE stehen fünf Güter im Mittelpunkt: Castello Nipozzano im Chianti Rufina, Castello Pomino in den Höhenlagen östlich von Florenz, Tenuta CastelGiocondo in Montalcino, Tenuta Castiglioni im Val di Pesa und Tenuta Perano im Chianti Classico.
Welche Rebsorten prägen die Weine von Frescobaldi?
Sangiovese spielt auf mehreren Gütern die Hauptrolle – unter anderem in Nipozzano, CastelGiocondo, Castiglioni und Perano. Pomino besitzt dagegen eine außergewöhnlich lange Tradition mit Chardonnay und Pinot Nero. Darüber hinaus gehören Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und weitere internationale Rebsorten auf einzelnen Gütern seit Langem zum Frescobaldi-Repertoire.
Was unterscheidet die einzelnen Frescobaldi-Güter voneinander?
Vor allem ihre Herkunft. Höhenlage, Exposition, Böden, Klima und Rebsorten unterscheiden sich zum Teil erheblich. Frescobaldi verfolgt deshalb ausdrücklich das Ziel, diese Unterschiede in den Weinen sichtbar zu machen, statt den Gütern einen einheitlichen Stil vorzugeben. SUPERIORE.DE
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