Glossar
Abboccato
Abboccato bezeichnet beim Stillwein die Stufe oberhalb trocken und unter lieblich. Der Restzucker darf höchstens 12 Gramm je Liter betragen oder 18 Gramm, wenn der als Weinsäure ausgedrückte Gesamtsäuregehalt höchstens 10 Gramm je Liter niedriger ist als der Restzucker. Im Deutschen entspricht das halbtrocken.
Beim Schaumwein steht Abboccato dagegen für 32 bis 50 Gramm Restzucker je Liter und entspricht Demi-Sec bzw. halbtrocken. Derselbe Begriff bezeichnet also je nach Weinart unterschiedliche Zuckerbereiche – entscheidend ist immer die jeweilige Skala. – SUPERIORE.DE
→ Siehe auch Dosage · Restzucker
Abgang
Abgang bezeichnet die Zeit, in der die Aromen eines Weines nach dem Schlucken im Mund wahrnehmbar bleiben. Gebräuchlich sind dafür auch Länge und Finale, im Fachjargon außerdem Persistenz – gemeint ist jeweils dasselbe. Gemessen wird in Sekunden; in der Verkostungssprache hat sich die Einheit Caudalie eingebürgert, abgeleitet vom lateinischen cauda für Schweif – eine Caudalie entspricht einer Sekunde.
Verbindliche Grenzwerte existieren nicht, und die kursierenden Skalen widersprechen einander erheblich: Manche Quellen sehen zwölf Sekunden bereits bei großen Weinen, andere setzen zwanzig als gut und fünfzig als Spitzenklasse an. Hinzu kommt, dass die Messung an der Wahrnehmung des Verkosters hängt. Als Orientierung taugt der Wert dennoch, weil die Ursache greifbar ist: Der Nachhall entsteht durch nicht flüchtige Bestandteile, die auf der Mundschleimhaut haften, und durch Aromastoffe, die retronasal weiter zur Nase aufsteigen. – SUPERIORE.DE
Abstich
Abstich bezeichnet das Umfüllen des Weines in ein anderes Gefäß, wobei er vom abgesetzten Trub getrennt wird. Der erste Abstich erfolgt nach Abschluss der Gärung und löst den Wein vom Hefegeläger; ein zweiter folgt üblicherweise einige Wochen später, oft verbunden mit der Schwefelung. Kleine Betriebe arbeiten mit dem Siphon, größere mit Pumpen.
Der Vorgang hat eine Doppelnatur: Er entfernt verderbliche Feststoffe und lässt Kohlensäure entweichen, führt dem Wein dabei aber Sauerstoff zu – beim ersten Abstich ist das erwünscht, später eher nicht. Deshalb wird anschließend sofort spundvoll gelegt. Ein Liter Luft genügt, um dreißig Liter Wein mit Sauerstoff zu sättigen, und jedes Milligramm davon bindet vier Milligramm schweflige Säure. – SUPERIORE.DE
→ Siehe auch Auffüllen · Schutzgas
Adstringenz
Adstringenz bezeichnet den zusammenziehenden, trocknenden Tasteindruck im Mund – kein Geschmack im eigentlichen Sinne, sondern eine taktile Wahrnehmung. Sie entsteht, wenn Gerbstoffe aus Schalen, Kernen, Stielen oder Holzfässern sich mit den Proteinen des Speichels verbinden und dessen Gleitfähigkeit herabsetzen. Die Zunge fühlt sich rau an, der Gaumen wie ausgekleidet, oft mit einem pelzigen Nachklang an den Zahnhälsen.
Im Wein ist Adstringenz weder Fehler noch Auszeichnung, sondern eine Frage von Menge und Reife. Feinkörnige Gerbstoffe aus vollreifen Trauben tragen Struktur und Alterungsfähigkeit; unreife oder grob extrahierte wirken kantig und bitter. Mit den Jahren lagern sich Gerbstoffe zu größeren Molekülen zusammen und fallen teilweise als Depot aus – der Grund, warum tanninreiche Rotweine mit Flaschenreife zugänglicher werden. – SUPERIORE.DE
→ Siehe auch Tannin
Aglianico del Taburno DOCG
Der Aglianico del Taburno DOCG ist eine kampanische Denomination für Rot- und Roséweine aus dem Sannio-Gebiet in der Provinz Benevento. 1986 als DOC anerkannt, wurde sie mit Ministerialdekret vom 30. September 2011 zur DOCG erhoben. Sie verlangt mindestens 85% Aglianico aus den Hügellagen rund um das Taburno-Massiv, überwiegend zwischen 200 und 650 Metern.
Die Denomination kennt drei Typologien: Rosso, Rosato und Rosso Riserva. Der Rosso reift mindestens zwei Jahre, die Riserva drei Jahre bei mindestens 13% vol Alkohol, davon zwölf Monate im Holz und sechs Monate in der Flasche. Gegenüber dem Aglianico del Vulture zeigt sich der Taburno häufig etwas zugänglicher und frischer, ohne die typische Straffheit und das Tanningerüst der Rebsorte zu verlieren. Alles zum Thema Aglianico-Weine. – SUPERIORE.DE
Aglianico del Vulture Superiore DOCG
Aglianico del Vulture Superiore ist die höchste Klassifikationsstufe des Rotweins aus der Basilikata, 2010 zur DOCG erhoben und aus 100% Aglianico an den Hängen des Monte Vulture gewonnen. Der erloschene Vulkan prägt alles: Die Reben stehen auf Böden aus Lava, Tuff und vulkanischer Asche, in Höhenlagen zwischen 200 und 700 Metern, wo kühle Nächte Säure und aromatisches Rückgrat bewahren. Das Gebiet umfasst fünfzehn Gemeinden im Norden der Provinz Potenza, darunter Rionero, Barile und Venosa. Beide Typen der DOCG verlangen mindestens 13,5% vol Alkohol: Der Superiore reift insgesamt drei Jahre, davon zwölf Monate im Holz und zwölf Monate in der Flasche; die Riserva insgesamt fünf Jahre, davon vierundzwanzig Monate im Holz und zwölf in der Flasche.
Charakteristisch ist das Zusammenspiel von Kraft und Frische: ein tief granatroter Wein mit festem Tanningerüst und lebendiger Säure, den die vulkanischen Böden rauchig-mineralisch prägen. Die Bandbreite reicht vom zugänglicheren Superiore bis zur streng gebauten Riserva, die über zwei Jahrzehnte reift und dabei würzig-erdige Tertiäraromen entwickelt. So zeigt die Aglianico-Traube hier ihre strukturreichste und langlebigste Seite. Alles zum Thema Aglianico-Weine. – SUPERIORE.DE
Alkoholgehalt
Der Alkoholgehalt gibt an, welchen Anteil am Volumen reiner Alkohol ausmacht, angegeben in Prozent (% vol). Er entsteht bei der Gärung, in der Hefen den Zucker des Traubenmostes in Alkohol und Kohlendioxid umwandeln. Wie viel davon im fertigen Wein landet, hängt nicht allein von der Traubenreife ab, sondern auch davon, ob die Gärung vollständig durchläuft: Wird sie unterbrochen, bleibt Zucker im Wein und der Alkoholgehalt niedrig – so beim Moscato d'Asti, der deutlich unter den Werten trockener Weine bleibt.
Mindestwerte legen das EU-Weinrecht und die einzelnen Disciplinari fest; sie unterscheiden sich nach Weinkategorie und Denomination erheblich. Sensorisch ist Alkohol vor allem Träger: Ein großer Teil der Aromastoffe ist alkohollöslich und wird erst dadurch wahrnehmbar – das erklärt, warum sich das Aromabild verändert, wenn einem Wein der Alkohol entzogen wird. Daneben gibt er Körper und Viskosität und verstärkt den Eindruck von Süße und Wärme; in hoher Dosierung kann er brennend wirken und Frucht wie Säure überdecken. Die Angabe auf dem Etikett darf vom gemessenen Wert in der Regel um bis zu 0,5% vol abweichen. – SUPERIORE.DE
Alkoholische Gärung
→ Siehe Gärung
Alta Langa DOCG
Die Alta Langa DOCG ist die piemontesische Denomination für Metodo-Classico-Schaumweine aus Chardonnay und Pinot Nero. Mit Ministerialdekret vom 21. Februar 2011 zur DOCG erhoben (zuvor DOC seit 2002), umfasst sie Hügellagen in den Provinzen Cuneo, Asti und Alessandria oberhalb von 250 Metern. Zulässig sind 90 bis 100% Pinot Nero und/oder Chardonnay; die restlichen bis zu 10% können aus anderen nicht-aromatischen Rebsorten der Region stammen.
Das Disciplinare verlangt eine Mindestreifung von 30 Monaten auf der Hefe, für die Riserva 36 Monate; jede Flasche ist zwingend Jahrgangswein. Die Typologien Spumante Bianco und Spumante Rosato werden als Brut, Extra Brut oder Pas Dosé ausgebaut. Damit steht die Alta Langa als piemontesische Metodo-Classico-Kategorie neben Franciacorta in der Lombardei und Trento im Trentino. Alles zum Thema Schaumweine. – SUPERIORE.DE
Alterung
Alterung bezeichnet die zeitliche Veränderung eines Weines während Ausbau und Flaschenlagerung bis hin zum Abbau. Der Begriff ist weiter gefasst als Flaschenreife, die ausschließlich die Veränderungen nach der Abfüllung beschreibt.
Aus dieser Doppelnatur erklärt sich der schwankende Sprachgebrauch. "Alterungsfähig" ist ein Lob und meint die Fähigkeit, über Jahre zu gewinnen; "gealtert" ist ein Befund und meint meist, dass der Höhepunkt überschritten ist. Beides bezeichnet denselben Vorgang, nur an verschiedenen Punkten. Der chemische Vorgang ist unter dem Glossarbegriff Entwicklung beschrieben, der Beitrag des Verschlusses unter Flaschenreife. – SUPERIORE.DE
→ Siehe auch Entwicklung · Flaschenreife · Trinkreife
Alto Adige DOC
Alto Adige DOC ist die Kern-Denomination der Provinz Bozen im äußersten Norden Italiens, im Disciplinare auch als "Südtirol" oder "Südtiroler" geführt. Sie umfasst zahlreiche sortenreine Weiß- und Rotweine sowie Cuvées ohne Sortenangabe und deckt die weit überwiegende Mehrheit der lokalen Weinproduktion. Zulässig sind über zwanzig Rebsorten, darunter Chardonnay, Pinot Bianco, Gewürztraminer, Lagrein und Vernatsch.
Innerhalb der Denomination bestehen sechs Unterzonen: Bozner Leiten, Eisacktaler, Meraner Hügel, St. Magdalener, Terlaner und Vinschgau. Seit der Ernte 2024 werden zusätzlich feinere Unità Geografiche Aggiuntive (UGA) ausgewiesen. Die Weinberge liegen zwischen 200 und rund 1000 Metern; die alpine Höhenspreizung erklärt die stilistische Bandbreite von frischen, aromatischen Weißweinen bis zu farbtiefen, körperreichen Lagreins. Alles zum Thema Südtiroler Weine. – SUPERIORE.DE
Amabile
Amabile bezeichnet beim Stillwein die Stufe über abboccato: Der Restzucker liegt oberhalb der für halbtrocken zulässigen Grenze und bei höchstens 45 Gramm je Liter. Im Deutschen entspricht das lieblich. Für Schaumwein gelten dagegen eigene Bezeichnungen der Dosage-Skala.
Auf italienischen Etiketten begegnet Amabile vor allem dort, wo eine merkliche, aber nicht ausgeprägt süße Restsüße zum Stil gehört, etwa bei bestimmten Lambrusco-Weinen. Der Begriff beschreibt einen analytischen Zuckerbereich und keine feste sensorische Wirkung. – SUPERIORE.DE
Amaro
Amaro bezeichnet die italienische Familie der Kräuterbitter, klassisch als Digestif nach dem Essen getrunken. Rechtlich verlangt ein Amaro einen Mindestalkohol von 15% vol; die Bandbreite reicht von 21% (Averna) bis über 40% (Fernet Branca). Die Rezepturen kombinieren Alkohol mit Aufgüssen aus Kräutern, Wurzeln, Rinden, Beeren, Zitrusschalen und Gewürzen, oft in geheimer Zusammensetzung. Ihre Wurzeln liegen in den Klosterlaboratorien des Mittelalters, wo Mönche sie als Kräuterelixiere verwendeten; die kommerzielle Blüte kam im 19. Jahrhundert, als Apotheker und Bürgerfamilien die Rezepte in Manufakturen überführten.
Zu den ikonischen Vertretern zählen Fernet Branca aus Mailand (1845, 27 Botanicals), Amaro Averna aus Caltanissetta (1868, Rezeptur eines Benediktinermönchs), Amaro Montenegro aus Bologna (1885, 40 Kräuter aus vier Kontinenten), Amaro Lucano aus der Basilikata (1894), Amaro Braulio aus der Valtellina (alpin, mit Enzian und Wacholder) und Vecchio Amaro del Capo aus Kalabrien. Stilistisch reicht das Spektrum von alpin und kräuterbitter über fruchtig-mediterran bis zu den scharfen Fernet-Typen, ergänzt um Sonderformen wie Rabarbaro und Chinato. Nach einer Phase der Randstellung erlebt der Amaro seit den 2010er Jahren eine Renaissance in der internationalen Cocktailkultur. Alles zum Thema Liköre. – SUPERIORE.DE
Amphore
Die Amphore ist das älteste Gefäß der Weinbereitung und diente in der Antike zugleich dem Transport. Weil gebrannter Ton nicht dicht ist, wurde sie innen ausgekleidet – im Mittelmeerraum mit Kiefernharz, das dem Wein einen eigenen Ton gab. Die georgische Qvevri, bis heute in Gebrauch, wird mit Bienenwachs ausgestrichen und vollständig im Boden vergraben; die Erde hält die Gärtemperatur konstant. Im modernen Keller stehen Amphoren meist auf Gestellen statt in der Erde. Ihr Reiz liegt in der Porosität: Wie Holz lässt Ton Sauerstoff durch und ermöglicht eine langsame Reifung, gibt aber weder Gerbstoff noch Aroma ab. Verwendet werden sie häufig für maischevergorene Weißweine, die als Orange Wine in den Handel kommen.
Verbreitet ist inzwischen auch der Teilausbau: Ein kleinerer Anteil des Weines reift in der Amphore, der größere im Holz, bevor beide zusammengeführt werden. In der Toskana arbeiten mehrere Erzeuger so, teils bereits bei der Gärung – der Wein behält die klare Frucht des Tongefäßes und gewinnt zugleich die Struktur des Holzausbaus. – SUPERIORE.DE
Appassimento
Appassimento bezeichnet im italienischen Weinbau die kontrollierte Trocknung bzw. das Antrocknen reifer Trauben, typischerweise nach der Lese. Durch den Wasserverlust konzentrieren sich Zucker, Säuren, Extrakt- und Aromastoffe, während zugleich komplexe stoffliche Veränderungen in den Beeren ablaufen. Traditionell werden die Trauben auf Gestellen, Matten oder in gut belüfteten Räumen getrocknet; moderne Anlagen können Temperatur und Luftfeuchtigkeit gezielt steuern. Je nach Herkunft, Rebsorte und gewünschtem Wein dauert das Verfahren wenige Wochen bis mehrere Monate. Verwandte Verfahren können die Konzentration der Beeren bereits durch längere Reife oder Antrocknung am Stock beginnen lassen.
Appassimento prägt zahlreiche italienische Weinstile, darunter Amarone und Recioto della Valpolicella, Sforzato di Valtellina sowie verschiedene Passito-Weine. Beim Amarone della Valpolicella darf die Vinifikation nach dem regulären Disciplinare in der Regel nicht vor dem 1. Dezember beginnen; bei besonderen klimatischen Bedingungen kann die Region jedoch einen früheren Termin genehmigen. Entscheidend ist daher nicht eine starre Trocknungsdauer, sondern die kontrollierte Konzentration gesunder Trauben bis zum für den jeweiligen Wein vorgesehenen Zustand. – SUPERIORE.DE
Asolo Prosecco DOCG
Die Asolo Prosecco DOCG ist eine venetische Denomination für Schaumweine aus der Glera-Traube, die die Colli Asolani und den Montello in der Provinz Treviso umfasst. Mit Ministerialdekret vom 17. Juli 2009 zur DOCG erhoben, hieß sie ursprünglich "Colli Asolani-Prosecco oder Asolo-Prosecco"; seit einer späteren Modifikation ist "Asolo Prosecco" der primäre Name. Zulässig sind mindestens 85% Glera, ergänzt um bis zu 15% Bianchetta Trevigiana, Perera, Verdiso oder Glera Lunga.
Die Weinberge liegen in den Hügellagen zwischen 100 und 500 Metern. Die Typologien sind Tranquillo, Frizzante und Spumante Superiore mit Süßegraden von Brut Nature bis Demi-Sec; die zweite Gärung erfolgt in der Regel nach der Metodo Martinotti im Autoklaven. Das Disciplinare kennt daneben den Zusatz "Sui Lieviti" für den Spumante Superiore: Hier findet die Gärung in der Flasche statt, der Wein bleibt ohne Degorgieren auf der Hefe und kommt als Brut Nature in den Handel. Als DOCG unterliegt die Asolo Prosecco strengeren Herkunfts- und Qualitätsvorgaben als der breit angelegte Prosecco DOC. Alles zum Thema Prosecco-Weine. – SUPERIORE.DE
Asti Spumante DOCG
Asti Spumante ist die weiße Schaumwein-Typologie der Denomination Asti DOCG im südlichen Piemont, seit 1993 zur DOCG erhoben. Grundlage ist die Moscato-Bianco-Traube (mindestens 97%), angebaut auf Hügellagen in den Provinzen Alessandria, Asti und Cuneo. Der Wein wird nach der Metodo Martinotti im Autoklaven vergoren; als Asti Spumante Metodo Classico ist auch die Flaschengärung zulässig.
Das Süße-Spektrum reicht heute von Dolce und Demi Sec über Secco/Dry und Extra Dry bis zu Brut, Extra Brut, Brut Nature und Pas Dosé; die Erweiterung um die trockenen Kategorien geht auf eine Öffnung des Disciplinare zurück. Zwei Unterzonen präzisieren die Herkunft: Santa Vittoria d'Alba und Strevi. Charakteristisch ist die Aromatik der Moscato-Traube in Kombination mit frischer Säure und moderatem Alkohol (mindestens 6% vol effektiv). Alles zum Thema Moscato-Weine. – SUPERIORE.DE
Auffüllen
Auffüllen, auch Beifüllen oder Spundvollhalten, bezeichnet das Nachfüllen des Fasses, um den Verdunstungsverlust auszugleichen. Je nach Beschaffenheit, Größe und Alter des Holzfasses beträgt der Schwund monatlich zwischen 0,5 und 3% des Volumens; nachgefüllt wird mit demselben Wein.
Der Grund ist der Luftraum, der sonst entstünde. Über eine Weinoberfläche von einem Quadratmeter lösen sich rund 150 Kubikzentimeter Sauerstoff je Stunde – ein Fass wäre binnen weniger Tage oxidiert. Der Sauerstoff wandelt Alkohol zu Acetaldehyd um und verschiebt die Schwefelbilanz; zudem finden Essigsäurebakterien im Luftraum die Bedingungen, die sie zum Wachstum brauchen. Wo Spundvollhalten nicht möglich ist, tritt das Schutzgas an seine Stelle. – SUPERIORE.DE
→ Siehe auch Abstich · Schutzgas
Aufspritung
Aufspritung bezeichnet die Zugabe von Alkohol zu Most oder Wein; im Italienischen wird dafür auch mutizzazione verwendet. Erfolgt sie während der Gärung, kann der steigende Alkoholgehalt die Hefetätigkeit hemmen oder stoppen, sodass natürlicher Traubenzucker erhalten bleibt. Nach abgeschlossener Gärung erhöht die Zugabe vor allem den Alkoholgehalt.
Für Likörwein erlaubt das EU-Weinrecht je nach Erzeugnis unter anderem neutralen Alkohol weinbaulichen Ursprungs sowie Wein- oder Trockenbeerendestillat. Beim Marsala gehört die Alkoholzugabe zur Herstellung; je nach Typ dürfen zusätzlich Mostprodukte bzw. der als sifone bezeichnete mit Alkohol versetzte Most eingesetzt werden. – SUPERIORE.DE
→ Siehe auch Likörwein · Mistella
Ausbau
Ausbau bezeichnet die kellerwirtschaftliche Entwicklung des Weins nach der Gärung bis zur Abfüllung. Dazu können je nach Wein unter anderem Abstich, Verschnitt, Hefelager, Schönung, Stabilisierung und Filtration gehören. Während dieser Phase verändern sich Aromatik, Textur und Struktur. Statt einer scharfen Trennung zwischen "reduktiv" und "oxidativ" reicht der Ausbau in der Praxis von weitgehend sauerstoffgeschützten Verfahren bis zu Formen, bei denen ein begrenzter Sauerstoffkontakt bewusst zugelassen wird. Dauer und Intensität richten sich nach Rebsorte, Herkunft, gewünschtem Stil und den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben.
Auch der Behälter prägt den Verlauf. Edelstahl ist aromatisch neutral und lässt sich sehr gut vor Sauerstoff schützen. Bei Beton und Ton hängen Sauerstoffaustausch und Einfluss auf den Wein von Material, Bauweise und möglicher Beschichtung ab. Holz kann zusätzlich eigene Aroma- und Gerbstoffe abgeben und ermöglicht einen langsamen Sauerstoffaustausch; bei Barriques beeinflusst auch das Rösten der Dauben den Aromeneintrag. Große Fässer wirken wegen des geringeren Verhältnisses von Holzoberfläche zu Weinmenge meist zurückhaltender. Ein Ausbau auf der Feinhefe kann Textur und geschmackliche Fülle zusätzlich verändern. – SUPERIORE.DE
Ausbau auf der Hefe
Ausbau auf der Hefe bezeichnet die Lagerung des Weines auf dem Hefesatz nach abgeschlossener Gärung. Unterschieden wird zwischen der Vollhefe vor dem ersten Abstich und der Feinhefe danach; für den längeren Ausbau wird meist die Feinhefe verwendet.
Die Wirkung beruht auf der Autolyse: Die abgestorbenen Hefezellen lösen sich selbst auf und geben Mannoproteine, Glucane und Aminosäuren an den Wein ab. Das verändert Textur und Mundgefühl, verbessert die Oxidationsstabilität und begünstigt den biologischen Säureabbau; oft lässt sich dadurch die Schwefelgabe verringern. Gebräuchlich ist das Verfahren bei Weißweinen und bei Schaumweinen nach der Flaschengärung, wo der Wein über Jahre auf der Hefe bleibt. – SUPERIORE.DE
→ Siehe auch Autolyse · Bâtonnage
Autochthone Rebsorte
Autochthone Rebsorte bezeichnet eine Traubenvarietät, die in einem bestimmten geographischen Gebiet entstanden ist und dort seit langem heimisch angebaut wird. Der Begriff kommt vom griechischen autóchthonos (aus der Erde selbst) und grenzt sich ab von internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Chardonnay, die außerhalb ihres Ursprungs weltweit verbreitet wurden. Italien ist mit über 500 dokumentierten autochthonen Sorten eines der rebsortenreichsten Länder der Welt; von diesen werden rund 350 regelmäßig zur Weinbereitung genutzt.
Zu den bekanntesten italienischen Autochthonen zählen Nebbiolo im Piemont, Corvina in Venetien, Ribolla Gialla im Friaul, Sangiovese in der Toskana, Aglianico in Kampanien und Basilikata, Primitivo in Apulien, Nero d'Avola auf Sizilien und Vermentino auf Sardinien. Nach Jahrzehnten, in denen internationale Rebsorten dominierten, erlebten die Autochthonen ab den 1980er Jahren eine Renaissance: Sie gelten heute als Ausdruck von Terroir und regionaler Weinbaukultur. – SUPERIORE.DE
Autolyse
Autolyse bezeichnet die Selbstauflösung abgestorbener Hefezellen durch deren eigene Enzyme. Sie beginnt einige Wochen nach Abschluss der Gärung, wenn die Hefen nicht mehr aktiv sind, und zieht sich über Wochen bis Monate hin. Die Zellwände werden durchlässig, ihre Struktur bricht auf, und der Zellinhalt gelangt in den Wein: Mannoproteine, Glucane, Aminosäuren und Enzyme.
Die Mannoproteine sind die wirksamste Fraktion – Verbindungen aus Eiweiß und Mehrfachzuckern aus der Hefezellwand. Sie binden bittere Gerbstoffe, wirken auf das Mundgefühl und verhindern das Ausfallen von Weinstein und Eiweißtrübungen. Sensorisch entstehen Noten von Brioche, Nuss und Hefegebäck sowie ein cremiger Eindruck – am deutlichsten bei Schaumweinen, die nach der Flaschengärung lange auf der Hefe bleiben. Dauer, Temperatur und Hefestamm bestimmen, wie stark der Effekt ausfällt. – SUPERIORE.DE
→ Siehe auch Ausbau auf der Hefe · Bâtonnage