TORREVENTO | Weinbau im Schatten von Castel del Monte

    Es gibt Orte, an denen Geschichte nicht nur sichtbar, sondern spürbar ist. Castel del Monte gehört zweifellos dazu. Hoch über der apulischen Hochebene erhebt sich die berühmte achteckige Burg wie ein steinerner Gedanke aus einer anderen Zeit. Errichtet im 13. Jahrhundert von Kaiser Friedrich II., verbindet sie Elemente der Antike, der islamischen Welt und der nordeuropäischen Gotik zu einem Bauwerk von beinahe mathematischer Präzision. Bis heute ist Castel del Monte weit mehr als ein Monument. Es ist das kulturelle Zentrum eines außergewöhnlichen Landschaftsraums und der symbolische Mittelpunkt eines Weinbaugebiets, das lange unterschätzt wurde.

    Am Fuß dieses geschichtsträchtigen Ortes liegt Torrevento. Schon der Name, "Turm des Windes", beschreibt die Bedingungen erstaunlich genau. Die offene Hochebene, kalkreiche Böden, stetige Luftbewegung und markante Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht schaffen ein Terroir, das Weinen Spannung, Kontur und Frische verleiht. Die Landschaft wirkt herb und weit, beinahe karg, doch gerade in dieser Strenge liegt ihre vitale Energie.

    Gerade im Weinbau zeigt sich, wie eigenständig dieses Gebiet ist. Castel del Monte ist längst mehr als eine eindrucksvolle Kulturlandschaft, denn mit der DOC und DOCG verfügt die Region über eine klar definierte Herkunft für Rotweine, Rosati und Weißweine von besonderem Profil. Autochthone Sorten wie Nero di Troia, Bombino Nero und Pampanuto finden hier ideale Bedingungen und geben auch bei Torrevento den Takt vor.

    Hinzu kommt der landschaftliche Kontext der Alta Murgia, deren geschützte Weiten von wildem Grasland, duftenden Kräutern, uralten Olivenbäumen und alten Hirtenpfaden geprägt sind. Thymian, Rosmarin und Oregano wachsen zwischen Kalkfelsen, Greifvögel ziehen ihre Kreise über der Hochebene, und die jahrhundertealten Wege der Transhumanz erzählen von einer Region, deren Geschichte immer auch eine Geschichte der Nutzung, der Geduld und des Überlebens war. Wer diese Landschaft sieht, versteht schnell, warum die Weine von hier keine gefälligen Kulissenweine sind, sondern Gewächse mit Charakter.

    Torrevento gehört zu den wichtigsten Botschaftern dieses Territoriums. Im Mittelpunkt steht die Rebsorte Nero di Troia, aus der charaktervolle Weine wie die Vigna Pedale Riserva DOCG entstehen: würzig, strukturiert, tief und geprägt von jener herb-edlen Noblesse, die diese Sorte so unverwechselbar macht. Mit dem Vigna Pedale schrieb Torrevento 1993 Weingeschichte: Er gilt als erster sortenreiner Nero di Troia der Welt und ist bis heute das Flaggschiff des Hauses. Seine Trauben stammen aus der Contrada Pedale im Parco Rurale della Murgia, auf 400 bis 500 Metern Höhe, geprägt von Kalkstein, Karst und stetigem Meereswind. Späte Lese, langer Ausbau in Stahl und großen Eichenholzfässern – ohne Barrique-Druck, mit der Frucht im Zentrum – verleihen ihm Tiefe, Präzision und mineralische Spannung.

    Im Rosato des Hauses zeigt Bombino Nero seine hellere, animierende Seite. Castel del Monte Bombino Nero ist die einzige DOCG Italiens, die ausschließlich Roséweinen vorbehalten ist und gekeltert zu mindestens 90 Prozent aus der autochthonen Bombino Nero. Rund um Castel del Monte, auf denselben kalkreichen Höhenlagen zwischen mediterraner Sonne und kühler Meeresbrise, bewahrt die Sorte ihre Frische und Leichtigkeit. Sanft gepresst und vier Monate im Stahl ausgebaut, entsteht ein Rosato von klarer Frucht, belebender Säure und jener direkten, unverstellten Art, die Bombino Nero so charmant macht.

    So erzählt Torrevento nicht nur die Geschichte eines Weinguts, sondern die eines ganzen Herkunftsraums. Castel del Monte ist hier nicht bloß steinerne Kulisse, sondern das geistige Zentrum einer Weinlandschaft, die ihre eigene Sprache spricht.

    Wer Apulien jenseits der bekannten Pfade erleben möchte, sollte den Weinen von Torrevento und dem Castel del Monte Gebiet besondere Aufmerksamkeit schenken. SUPERIORE.DE

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